Mittwoch, 17. Februar 2016

Barfußreiterin auf Barfußpferd - das passt!

Minus 2 °C, strahlend blauer Himmel, also ideales Wetter zum Barfußlaufen. ;-) In den Stall bin ich gestern in meinen Boots gefahren. Ich habe noch großen Respekt vor der Kälte. Nachdem ich Madeira aber geputzt hatte und wir draußen im Sonnenschein standen, musste ich meine Füße aber befreien. Das war ein so großer Drang! Wer einmal frei ist, lässt sich nicht wieder einsperren. Früher fand ich meine Boots behaglich, wie eine Höhle, in der meine Füße sicher und warm aufbewahrt werden. Aber jetzt wollen sie raus: spüren, wie sich Eicheln unter den Füßen anfühlen oder die kleinen Steinchen auf dem Weg. Auf dem vorjährigen Eichenlaub geht es sich wie auf Seide an. Es ist herrlich. Madeira findet zwischen dem Laub ein paar Grashalme und lässt sie sich schmecken. Die Sonne wärmt mich - die Welt ist perfekt. Ob ich mich mal ganz verwegen in den Matsch wage? Die Plätze auf dem Rehrhof sind alle sehr gut drainiert, so dass sie nicht tief matschig sind, aber diese Schicht, hat es in sich. In Schuhen bin ich schon mal ausgerutscht. Was man da alles bekommen kann: Muskelkater, Zerrungen, Stürze ... ;-) Barfuß habe ich so richtig "Grip", obwohl meine Sohlen wunderbar glatt sind - nach nur zwei Tagen Barfußgehens - und haben nicht mal ansatzweise das Profil meiner Boots. Trotzdem habe ich eine viel bessere Bodenhaftung. Unglaublich, aber langsam kommt die Sicherheit aus der Kindheit wieder. Wir sind viel barfuß gelaufen, und im Sommer mache ich das immer noch gern, aber weder in der Öffentlichkeit noch wie jetzt bei Minusgraden. ;-)

Jetzt muss ich noch ausprobieren, wie es sich barfuß reitet. Madeira läuft ja schon barfuß. - Ich muss mich mal genauer mit der Physiologie des Pferdehufes auseinandersetzen. Der muss ja auch ganz schön beweglich sein. - Also rauf aufs Pferd und auf den Reitplatz. Wir wollen ja noch ein Video meines neuen Reitrocks für www.manum-efficere.de drehen. Es ist herrlich in der Sonne! Madeira wird weder durch einen Trense noch durch einen Sattel eingeengt, ich sitze ganz entspannt auf meinem Pferd und lasse mich von ihrem Schwung mitnehmen. Bis in den kleinen Zeh kann ich ihre Bewegungen fühlen. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Ja, ich kann mir durchaus vorstellen, so weiterzumachen.

Hier noch das Video. :-) Barfußreiterin auf Barfußpferd

Dienstag, 16. Februar 2016

Ich habe tief und fest geschlafen

Jetzt, nachdem ich zwei Wochen Urlaub hinter mir habe, sollte ich eigentlich ausgeruht sein. Die letzte Nacht war allerdings unglaublich: Ich habe tief und fest geschlafen, so dass ich nicht mal mitbekam, dass mein Mann aufstand. Und das kam so:

Gestern Abend lag ich entspannt auf dem Sofa, Füße und Beine gewohnheitsgemäß in eine Decke gewickelt und schaute mir eine alte Kamelle an. Meine Füße waren kalt, aber anders als gewöhnlich. Normalerweise habe ich das Gefühl, dass meine Körperwärme direkt durch die Füße abgezogen wird - so, als wenn ich eine offenen Leitung habe, aus der das Wasser fließt. Deshalb habe ich immer alles getan, um das zu verhindern:

  • isolierte Einlegesohlen für die Schuhe
  • selbstgestrickte Wollsocken
  • Lammfell in meinen Reitschuhen
  • Hausschuhe mit dicker Sohle, damit die Kälte des Steinbodens von mir wegbleibt.
Das Angebot ist groß. Ins Bett musste mich manchmal sogar eine Wärmflasche begleiten, weil ich mit eiskalten Füßen einfach nicht einschlafen kann. Da kann der restliche Körper heizen, wie er will: Die Füße verweigern sich der Wärme. 

Wie auch immer, gestern war es anders. Meine Füße waren nicht besonders warm, aber sie schmerzten mich nicht, auch nicht die Gelenke. Es fühlte sich OK an. Außerdem fühlten sie sich breit und dick an - nicht krankhaft, sondern so, als wenn sie sich ausdehnen, ihre Grenze suchen. Die Fußsohlen und die Seiten kribbelten etwas. Das war ganz angenehm. Meine Füße wurden immer wärmer, aber nicht schwitzig. Die haben quasi die Heizung aufgedreht, denn mein ganzer Körper wurde schon kuschelig warm. Ich musste mir keine zweite Decke überwerfen. Kann das so einfach sein?

Mir kam die Idee, dass ich meinen Füßen einfach die Autonomie genommen hatte mit all meinen Schutzmaßnahmen. Ich stelle mir das so vor, wie bei einem Kind, dem die Eltern alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Das ist schließlich nicht in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen und für ein Wohlergehen zu sorgen. Hört sich logisch an. Ich werde das also heute beobachten. Gleich fahren wir zum Einkaufen, da werde ich wohl Schuhe anziehen. Es ist einfach zu kalt. Wer also dieses Experiment auch mal wagen will, dem rate ich, noch ein paar Wochen zu warten. 
Gestern war mein erster Barfußtag. Wir hatten -1°C und matschigen Schnee. Aber das kann einen Wassermann nicht von seinem Experiment abschrecken.

Glücklicherweise habe ich Urlaub und kann ganz entspannt auf Schuhe und Strümpfe verzichten. Nach dem Aufstehen, bin ich in diese also gar nicht erst hereingeschlüpft - trotz der Bedenken, dass meine Füße heute so nach und nach abfrieren könnten. Die Kälte zog durch die Fußsohlen in die Sprunggelenke. Aber ich habe das einfach mal so hingenommen. Gegen kalte Füße wurde in meinen verschiedenen Quellen Bewegung empfohlen. Ich hüpfte also immer mal durch die Gegend oder wippte auf den Füßen. Das half. Außerdem habe ich meinen Oberkörper warm eingepackt. Wer schon mal was vom Herrn Kneipp gehört hat, erinnert sich sicherlich an Kalt-Warme-Wechselbäder. Ich bin deshalb auch einfach mal raus in den Schnee. Nur kurz natürlich. Aber der Schock half. Meine Füße waren nach kurzer Zeit durch die schnellere Geschwindigkeit des Blutes ganz warm. So wagte ich zwei Stunden später sogar den Weg zur Mülltonne - durch den Schnee. War cool. Ich hatte vorher noch nie Fußabdrücke im Schnee gesehen.

Ungewohnt war der Ballengang. Um nicht weiterhin mit dem Hacken zuerst aufzutreten, musste ich mich etwas konzentrieren, aber schon bald war das Aufsetzen auf dem Ballen selbstverständlich. Vielleicht erinnerte sich mein der Körper daran, dass ich so schon als Kind gelaufen war.

Ich habe Schuhe in allen möglichen Farben, Wollsocken in allen möglichen Designs. Nackte Füße geben dagegen so gar nichts her. Sie schreien nach Farbe. So habe ich mir also mitten im Winter die Zehnägel lackiert.

Erkenntnis des Tages: Ich bin zu verpimpert! Der Körper regelt die Temperatur selbst. Meine Zehen sind noch nicht abgefroren. Ich werde also weitermachen.