... trau' ich auch den Andren zu.
Meine Entscheidung, barfuß zu laufen, war spontan. Bekenntnisse sind schnell in der Welt, aber wie geht es dann weiter? Ich war total motiviert, an meinem ersten Tag direkt ins Dorf zum Einkaufen zu fahren - barfuß. Aber es war eindeutig zu kalt. So beschränkte ich mich auf Haus und Hof. Als ich mich gestern auf den Weg in den Wald machte, kam ich mir ganz verwegen vor. Ich achtete darauf, dass mich ja kein Nachbar sah. "Was macht die denn schon wieder Verrücktes?" Abends war ich zu einer Jubiläumsfeier nach Hamburg eingeladen. Da bin ich dann lieber in Highheels geschlüpft. Ich wollte die Leute nicht überfordern.
Aber, dann kam es ganz anders! Nachdem ich vorsichtig mein Coming Out in Sachen Barfußlaufen vorbereitet hatte, schlug mir Interesse oder zumindest Verständnis entgegen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Heute kam dann endlich der große Tag, in der Öffentlichkeit Farbe zu bekennen. Ich war zu einem Kurs in Hamburg und ganz überrascht, wie wenige scheele Blicke ich ob meiner Barfüßigkeit erntete. Der Kurs war in einem Nähladen. Drei Kunden erbaten sich von mir Rat. Die haben vielleicht gedacht: "Wenn die hier barfuß herumläuft, muss sie zum Personal gehören." ;-)
Denke ich einfach zu schlecht von meinem Mitmenschen? Was sagt dieses Denken über mich aus? Bin ich tatsächlich so tolerant, wie ich meine zu sein? Ist Toleranz vielleicht einfach nur Trend, und ich schwimme mit? Auwei, das ist harter Tobak. Da muss ich noch eine Weile drüber nachdenken. Vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt. Wenn ich am ersten Tag losgegangen wäre, voller Motivation und davon überzeugt, das Richtige zu tun - wer weiß ...
Wie auch immer, ich höre einfach auf mein Inneres. Das schlägt schon Alarm, wenn mir etwas nicht gut tut. Und ich werde künftig auch mehr drauf achten, ob ich Menschen wegen Äußerlichkeiten deklassiere.
Aber jetzt mal wieder zu den Fakten meines gestrigen Abendausflugs: Der Weg vom Restaurant zum Auto war sehr interessant. Wir mussten eine Holzbrücke überqueren mit quer gefrästen Furchen. Das Holz war leicht überfroren, also glatt für meine Highheels. Danach auf dem Kopfsteinpflaster war es nicht viel besser. Vorsichtig bin ich zum Auto getrippelt. Da bin ich barfuß deutlich energischer. Ich wollte die Schuhe ausziehen, weil ich mir sicher war, dass mir barfuß nichts Schlimmes passieren kann, aber der Weg war mir ohne meine Huaraches zu lang. Im Auto habe meine Füße schnell in die Freiheit entlassen - Heizung an und gut. :-) Einfach mal aus der Komfortzone befreien, das macht mir Spaß!
Für alles gibt es Lösungen, aber nicht jede Lösung ist einfach. Manchmal reicht praktischer Menschenverstand, um ein Problem zu lösen. Ich benutze am liebsten so wenig wie möglich. Wie ich das mache, was ich dabei erlebe, beschreibe ich in diesem Blog.
Freitag, 19. Februar 2016
Donnerstag, 18. Februar 2016
Man bekommt, was man braucht, wenn's soweit ist
Meine Oma hat immer gesagt: "Man bekommt, was man braucht, wenn's soweit ist." Ich war ein sehr ungeduldiges Kind und habe lange nicht begriffen, was der Unterschied zwischen Brauchen und Wollen ist.Vor ein paar Tagen habe ich einen OP-Termin zur Reparatur meines linken Hüftgelenks vereinbart. Da muss etwas Knochen entfernt werden, nichts Großes. Danach soll es meinen Knickfüßen an den Kragen gehen. Ich fühle mich mit der Idee, Einlagen zu tragen, nicht wohl. Ich glaube, wir sind überversorgt. Für alles gibt es Mittelchen: Tabletten gegen 37 Arten von Kopfschmerz zum Beispiel. Wer hat sich die Mühe gemacht herauszufinden, wie viele verschiedene Arten von Kopfschmerz gibt, und warum? Meine zweite Tochter musste als Kind Einlagen tragen - hat ihr nichts gebracht. Einer Hüft-OP konnte sie nicht ausweichen. Vielleicht hätte sie einfach ihre Fußmuskular mehr stärken müssen? Ich bin froh, dass meine Enkelkinder sehr viel barfuß laufen. Aber im Kindergarten werden Hausschuhe getragen. Dadurch werden die vielen kleinen Muskeln, die unsere Füße flexibel halten, nicht gestärkt, so dass sie den Körper ohne langfristigen Schaden nicht tragen können. Sinnvoller erscheint es mir, selbst Verantwortung für mein Wohlbefinden und letztlich für mein Glück zu übernehmen. Wenn ich in meine Boots steige, um in den Stall zu fahren, regt sich in mir Unmut. Ich will keine Schuhe mehr tragen, aber es ist mir einfach noch zu kalt, um ganz auf die Schuhe verzichten zu können. Ich arbeite an einer Alternative. Letztlich gehen wir ja jetzt stark auf den Frühling zu. :-)
Man bekommt, was man braucht, wenn's soweit ist. Bei mir war es am letzten Sonntag wohl soweit, als ich auf NDR 2 Sabrina Fox hörte, die schon länger barfuß unterwegs ist. Die Logik war klar: Kältereize trainieren das Immunsystem, unterschiedliche Untergründe die Muskeln. Ich gehe jetzt jeden Tag mehrmals raus in den Schnee. Ich laufe um das Haus, so lange ich es aushalte. Falscher Ehrgeiz bringt ja nichts. Da verspannen sich nicht nur Muskeln, sondern auch meine Seele. Jedes Mal sind es ein paar Schritte mehr und gestern habe ich, barfuß im Schnee stehend, Anmachholz gehackt. Das muss ein irrer Anblick gewesen sein. ;-)
Ich bin sehr überrascht über die Resonanz, die meine Posts bei Facebook auslösen. Wie viele Menschen schon barfuß gehen! Wir sind wohl in einem Zeitalter, in dem wir uns befreien. Es gibt so viele spirituelle Foren, in die ich die Barfußbewegung durchaus einordne, denn Barfußgehen geht nicht ohne Achtsamkeit. Das macht so großen Spaß! Danke für die Tipps und Motivationsanschübe.
Ich bin ja Selbermacher und werde mich heute mal an Huaraches heran wagen. Mein Nachbar, der Sattler ist, hat mir ein Stück Leder spendiert. Mal sehen, ob ich daraus was Brauchbares hinbekomme.
Mittwoch, 17. Februar 2016
Barfußreiterin auf Barfußpferd - das passt!
Minus 2 °C, strahlend blauer Himmel, also ideales Wetter zum Barfußlaufen. ;-) In den Stall bin ich gestern in meinen Boots gefahren. Ich habe noch großen Respekt vor der Kälte. Nachdem ich Madeira aber geputzt hatte und wir draußen im Sonnenschein standen, musste ich meine Füße aber befreien. Das war ein so großer Drang! Wer einmal frei ist, lässt sich nicht wieder einsperren. Früher fand ich meine Boots behaglich, wie eine Höhle, in der meine Füße sicher und warm aufbewahrt werden. Aber jetzt wollen sie raus: spüren, wie sich Eicheln unter den Füßen anfühlen oder die kleinen Steinchen auf dem Weg. Auf dem vorjährigen Eichenlaub geht es sich wie auf Seide an. Es ist herrlich. Madeira findet zwischen dem Laub ein paar Grashalme und lässt sie sich schmecken. Die Sonne wärmt mich - die Welt ist perfekt. Ob ich mich mal ganz verwegen in den Matsch wage? Die Plätze auf dem Rehrhof sind alle sehr gut drainiert, so dass sie nicht tief matschig sind, aber diese Schicht, hat es in sich. In Schuhen bin ich schon mal ausgerutscht. Was man da alles bekommen kann: Muskelkater, Zerrungen, Stürze ... ;-) Barfuß habe ich so richtig "Grip", obwohl meine Sohlen wunderbar glatt sind - nach nur zwei Tagen Barfußgehens - und haben nicht mal ansatzweise das Profil meiner Boots. Trotzdem habe ich eine viel bessere Bodenhaftung. Unglaublich, aber langsam kommt die Sicherheit aus der Kindheit wieder. Wir sind viel barfuß gelaufen, und im Sommer mache ich das immer noch gern, aber weder in der Öffentlichkeit noch wie jetzt bei Minusgraden. ;-)
Jetzt muss ich noch ausprobieren, wie es sich barfuß reitet. Madeira läuft ja schon barfuß. - Ich muss mich mal genauer mit der Physiologie des Pferdehufes auseinandersetzen. Der muss ja auch ganz schön beweglich sein. - Also rauf aufs Pferd und auf den Reitplatz. Wir wollen ja noch ein Video meines neuen Reitrocks für www.manum-efficere.de drehen. Es ist herrlich in der Sonne! Madeira wird weder durch einen Trense noch durch einen Sattel eingeengt, ich sitze ganz entspannt auf meinem Pferd und lasse mich von ihrem Schwung mitnehmen. Bis in den kleinen Zeh kann ich ihre Bewegungen fühlen. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Ja, ich kann mir durchaus vorstellen, so weiterzumachen.Hier noch das Video. :-) Barfußreiterin auf Barfußpferd
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